Die wichtigsten Punkte zur Vorbereitung und Durchführung eines eigenen ›Symphonic Mob‹

Der ›Symphonic Mob‹ des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) ist inspiriert von der viralen Wirkungsweise der Flashmobs, die seit einigen Jahren zahlreiche kleinere und größere Städte bewegen: Menschen jedweden Hintergrunds kommen kurzfristig zusammen, um gemeinsam auf etwas aufmerksam zu machen, das ihnen am Herzen liegt. Der ›Symphonic Mob‹ überträgt diese gesellschaftsverbindende Idee mit der einenden Kraft der Musik und ermöglicht es musikbegeisterten Laien, mit professionellen Orchestermusiker*innen aufzutreten. Zentraler Gedanke des ›Symphonic Mob‹ ist das Abschaffen von Barrieren: Jede*r soll unabhängig von Fähigkeiten, der Wahl des Instruments oder des Alters mitmachen können.

Musik ist universell verständlich. Sie vermittelt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und verbindet Menschen, deren Wege sich sonst nur schwerlich gekreuzt hätten – dies wird durch den ›Symphonic Mob‹ unmittelbar erfahrbar. Das Anliegen des ›Symphonic Mob‹ ist es, aktives Musizieren wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Viele Menschen erhalten im Kindesalter Instrumentalunterricht, knüpfen aber später vor dem Hintergrund veränderter Lebensführung nur noch selten an frühere Fähigkeiten an. Außerdem mangelt es häufig an niederschwelligen Angeboten, Musik zu machen. Der ›Symphonic Mob‹ will diesen Menschen eine Plattform bieten, um gemeinsam mit Gleichgesinnten zu musizieren und die einmalige Möglichkeit zu schaffen, mit professionellen Musiker*innen in einem groß besetzen Ensemble aufzutreten.

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin veranstaltet seit 2014 jährlich einen ›Symphonic Mob‹. Unter der Leitung von Kent Nagano und Robin Ticciati kamen so jeweils 1000 begeisterte Instrumentalist*innen und Sänger*innen mit den Mitgliedern des DSO zusammen. Dank der Förderung des Projekts durch die Kulturstiftung des Bundes und in Kooperation mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin realisierten 2016 und 2017 weitere Orchester das Projekt: die Hamburger Symphoniker, die junge norddeutsche philharmonie, das Göttinger Symphonie Orchester, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt, die Bremer Philharmoniker, das Gürzenich-Orchester Köln, die Mecklenburgische Staatskapelle mit dem jugend sinfonie orchester schwerin und der Initiative ›Schwerin singt‹, die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz sowie die Staatskapelle Halle.

Die Teilnehmer*innen haben auf der Projektwebsite symphonic-mob.de die Möglichkeit, sich das Notenmaterial für jede Stimme – im Original oder eigens für den ›Symphonic Mob‹ vereinfacht – herunterzuladen, sämtliche Informationen zum Ablauf und Zeitplan einzuholen und sich für das Projekt anzumelden. Die an der Veranstaltung eines eigenen ›Symphonic Mob‹ interessierten Orchester können die ›Symphonic Mob‹-Website als Plattform zur Umsetzung des Projekts nutzen.

In den folgenden vier Schritten sind die wichtigsten Punkte zur Vorbereitung und Durchführung eines ›Symphonic Mob‹ zusammengefasst.

Symphonic Mob, Geigerin. Illustration: Ulrike Jensen

1. Basics

Der ›Symphonic Mob‹ ist ein Spontanorchester, das in der Mitte der Gesellschaft von musikbegeisterten Menschen jeden Alters und jeglicher musikalischer Vorbildung umgesetzt wird und damit allen Menschen die Möglichkeit bietet, an einem großangelegten Musikprojekt mit einem Profiorchester teilzunehmen.

Repertoire

Sobald das ausführende Orchester einen Dirigenten für das Projekt gefunden hat, wird das Repertoire festgelegt. Dieses reicht von rein orchestralen bis zu Werken mit Chorbeteiligung. Die jeweiligen Noten können von allen Beteiligten frei heruntergeladen und zur eigenständigen Vorbereitung auf den gemeinsamen Auftritt genutzt werden. Zudem stehen hier zur Einstudierung der vereinachten Version Playalongs und teils auch Video-Tutorials zur Verfügung. Das Repertoire ist auf der Website so angelegt, dass es ständig ergänzt und erweitert werden kann. Es umfasst Werke verschiedener Epochen, um die Vielfalt der Orchesterliteratur mit und ohne Chor verfügbar zu machen.

Ort

Der Ort des ›Symphonic Mob‹ sollte öffentlich zugänglich und zentral gelegen sein, sodass er für alle Menschen gut und barrierefrei zu erreichen ist. Im besten Fall ist er sowohl für sonniges als auch Regenwetter geeignet, sodass das Projekt witterungsunabhängig stattfinden kann.

Symphonic Mob, Holzbläser. Illustration: Ulrike Jensen

2. Kommunikation

Der ›Symphonic Mob‹ ist ein Projekt, das durch die Kraft der Musik Menschen verbindet und die Gemeinschaft stärkt. Die Kommunikation über verschiedene Wege ist für die Verbreitung der Idee ausschlaggebend.

Website

Die Öffentlichkeitsarbeit empfiehlt sich sowohl analog als auch digital. Auf der Website symphonic-mob.de sind sämtliche ›Symphonic Mob‹-Veranstaltungen dokumentiert – sowohl die aktuellen als auch die zurückliegenden – und werden zugänglich gemacht. Jeder ›Symphonic Mob‹ erhält eine eigene Unterseite, auf der die jeweiligen Informationen gebündelt sind, die einzelnen Stimmen des Repertoires und ein Anmeldeformular zur Verfügung stehen. Dafür gilt es, Texte zu verfassen und die Anmeldeoptionen zusammen mit dem ›Symphonic Mob‹-Team festzulegen.

Social Media

Der ›Symphonic Mob‹ wird vom ›Symphonic Mob‹-Team über die offizielle ›Symphonic Mob‹-Facebookseite beworben. Für jeden ›Symphonic Mob‹ erstellt das ›Symphonic Mob‹-Team zudem eine Facebook-Veranstaltung und macht das durchführende Orchester zum »Co-Host«, sodass mit der Online-Community kommuniziert werden kann. Twitter und Instagram sind weitere genutzte Kanäle in den sozialen Medien.

Analog

Ziel ist es, das Projekt ebenfalls analog zu bewerben, beispielsweise postalisch mit Postern, Postkarten und Flyern, um auch Personen oder Institutionen zu erreichen, die selten oder nie über digitale Kanäle kommunizieren. Auch die interne Kommunikation mit den Mitgliedern des Profiorchesters, Partner*innen und zivilgesellschaftlichen Gruppen ist entscheidend. Optimal ist es, sich mit engagierten Orchestermitgliedern auszutauschen und mit ihnen gemeinsam intern sowie extern die Idee des ›Symphonic Mob‹ zu verbreiten. Partner wie Medien- oder Kooperationspartner, die den ›Symphonic Mob‹ über ihre Kanäle kommunizieren, und Verteiler, die neben (Musik-)Schulen, Ensembles und Chören auch neue Zielgruppen wie Seniorenresidenzen, Initiativen für Geflüchtete oder Stadtteilprojekte erreichen, stärken den gesamtgesellschaftlichen, sozialen und kulturpolitischen Aspekt des ›Symphonic Mob‹.

Symphonic Mob, Chor. Illustration: Ulrike Jensen

3. Proben

Die folgenden Probenformate haben sich als optionale Angebote an die Teilnehmer*innen in den letzten Jahren bewährt:

Pop-Up-Proben

2017 fanden in Berlin erstmals Pop-Up-Proben statt, die den partizipativen Moment des ›Symphonic Mob‹ betonen. In den Pop-Up-Proben treffen sich alle interessierten Teilnehmer*innen der einzelnen Instrumentengruppen mit einem professionellen Orchestermitglied der jeweiligen Stimmgruppe und proben unter dessen Anleitung die Stücke des ›Symphonic Mob‹. Diese Proben ermöglichen einen intensiven künstlerischen Austausch sowie gemeinschaftsstiftende Momente durch die Musik. Sie finden an verschiedenen Tagen an unterschiedlichen Orten in der Region statt, bringen auf diese Art Musik in den städtischen oder auch ländlichen Raum und betonen den Aspekt der Diversität des Projekts.

Hauptprobe

Es hat sich bewährt, wenige Tage vor dem ›Symphonic Mob‹ eine optionale Hauptprobe anzubieten, in der die Teilnehmenden bereits mit den Musiker*innen des veranstaltenden Orchesters sowie allen anderen Musizierenden in Kontakt treten, eine musikalische inkludierende Probe erleben sowie einen gemeinsamen Orchesterklang entwickeln. Um diese Probe bestmöglich zu nutzen, stellt die Teilung in Chor- und Orchesterparts eine sinnvolle Ergänzung dar.

Symphonic Mob, Gehende. Illustration: Ulrike Jensen

4. Generalprobe und ›Symphonic Mob‹

Die Generalprobe sowie der ›Symphonic Mob‹ finden am selben Tag statt.

Generalprobe

Direkt vor dem ›Symphonic Mob‹ findet in der Regel eine Generalprobe am Ort des Konzerts statt, an der alle am Projekt angemeldeten Personen teilnehmen und zu der sie bereits mit einem ›Symphonic Mob‹-T-Shirt ausgestattet werden. Auf der Fläche, auf der das ›Symphonic Mob‹-Orchester steht, werden im Voraus Schilder aufgestellt, die die Orchesteraufstellung markieren und eine Orientierung bieten. Für spontane Einsteiger gibt es eine Reserve an vereinfachten und originalen Noten vor Ort, sodass auch eine kurzfristige Teilnahme möglich ist.

Konzert

Bei der Konzertaufstellung des ›Symphonic Mob‹ ist es wichtig, dass sich Profimusiker*innen und Laien mischen, um sowohl das Gemeinsame als auch Gesellschaftsverbindende über Generationen und verschiedene Hintergründe hinweg erfahrbar zu machen und eine bessere Kommunikation zu ermöglichen. Um den ›Symphonic Mob‹ flexibel zu gestalten, eignet sich das Spielen im Stehen, sofern es für die Personen beziehungsweise die Instrumentengruppen möglich ist. Sobald nach kurzer Pause alle ihre Spielposition eingenommen haben, kann das ›Symphonic Mob‹-Konzert beginnen.

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